Club of Life e.V.
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5. Sept. 2003

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir wenden uns in einer sehr dringenden, äußerst empörenden Angelegenheit an Sie: In der Schweiz will die Akademie für medizinische Wissenschaften (SAMW) Ärzten vorschreiben, dabei mitzuhelfen, alte Menschen durch "Suizid unter Beihilfe eines Dritten" in den Tod zu treiben - und das unter ausdrücklichem Verweis auf die steigenden Kosten im Gesundheitssektor (die Richtlinie ist im Internet abrufbar unter www.samw.ch). Das wäre der Startschuß zu einem neuen Faschismus, denn unter unter keinen Umständen ließe sich eine ärztlich sanktionierte Tötung als "Hilfe" rechtfertigen.

Massiver und kompromißloser Widerstand gegen diese Ungeheuerlichkeit ist nicht nur in der Schweiz, sondern vor allem auch in Deutschland unabdingbar. Um so mehr, da von Beschlüssen international angesehener medizinischer Institutionen in der Schweiz oft eine Signalwirkung für ärztliche Standesorganisationen in der ganzen Welt ausgehen. Gerade deswegen: Die in beiliegender Erklärung des Club of Life dargestellte Empfehlung darf nicht Realität werden. Menschliches Leben muß in allen Situationen unantastbar bleiben - gerade in Krisenzeiten.

Setzen Sie sich mit uns dafür ein, daß die "Richtlinien" der SAMW nicht klammheimlich in Kraft gesetzt werden. Sobald wir tolerieren, daß menschliches Leben den scheinbaren wirtschaftlichen Zwängen der Sparpolitik unterworfen wird, sind wir auf dem direkten Weg in die moralische Barbarei.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Wolfgang Lillge
Vorsitzender des Club of Life e.V.


Ein Aufschrei gegen das "stille Töten" in der Schweiz

28. August 2003 - Eine ungeheuerliche "standesrechtlichen Empfehlung", die die Schweizer Akademie für medizinische Wissenschaften (SAMW) im Juni dieses Jahres vorgelegt hat, verschlägt einem den Atem. Mit der Begründung, daß ältere Menschen wegen der demographischen Entwicklung und wegen steigender Gesundheitskosten nicht mehr optimal versorgt werden können, soll jetzt ganz offen die Tür für den ärztlich sanktionierten "Suizid unter Beihilfe eines Dritten" aufgestoßen werden. Da in Krankenhäusern und Pflegeinstitutionen offenbar keine ausreichende medizinische Behandlung und/oder Pflege mehr stattfinde, werde bei älteren, schutzlosen Menschen ein hoffnungsloses Gefühl der Verzweiflung entstehen, sterben zu wollen, so lautet die Logik der Argumentation. Wenn dann sogar ärztliche Standesgesellschaften ausdrücklich "medizinisch-ethische Richtlinien" ausgeben, wie ein solcher Suizid nach Hinzuziehung eines "externen, unabhängigen, in diesen Fragen speziell kompetenten Arztes" geregelt werden müsse, kann man nur noch feststellen, daß Ärzte in der Schweiz tatsächlich die "gefährlichsten Leute im Staat" geworden sind, wie sich der Leibarzt Schillers und Goethes, Hufeland, einmal warnend geäußert hat.

Die Süddeutsche Zeitung vom 28. Juli 2003 bemerkte, daß die Ärzte in der Schweiz mit ihren "Empfehlungen" auf die immer aggressiveren Aktivitäten obskurer Sterbehilfevereine mit Namen wie "Exit" oder "Suizidhilfe" zu reagieren scheinen, deren Mitglieder Werbung machen und Lebensmüden die Giftmischung ans Bett bringen. "Seit Exit-Sterbehelfer auch in städtischen Seniorenheimen in Zürich aus- und eingehen, ist der Ruf nach einer ärztlichen Regulierung dieser Aktivitäten laut geworden", heißt es in der Zeitung.

Nach den Richtlinien der Schweizer Akademie für medizinische Wissenschaften sollen nun alle in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Hospizen tätigen Ärzte des Landes verpflichtet werden, aktiv an der Vorbereitung zum "Suizid unter Beihilfe eines Dritten" mitzuwirken, und das Personal medizinischer Einrichtungen soll künftig mit professionellen Sterbehelfern zusammenarbeiten.

Was in den Euthanasiediskussionen in den Niederlanden und Belgien fast nie offen zum Ausdruck kam, steht in der Schweiz jetzt ganz im Mittelpunkt: die Rationierung der Kosten im Gesundheitswesen und in der Pflege. In der Präambel der "Richtlinien" heißt es ganz explizit: "Kostenanreizsysteme wie Fallpauschalen könnten dazu führen, daß ältere Menschen frühzeitig aus einem Spital in eine Institution der Langzeitpflege oder nach Hause entlassen werden, ohne daß die notwendigen medizinischen und rehabilitativen Maßnahmen abgeschlossen sind." Wenn dazu noch mangelhafte Pflege in den Altenheimen kommt, entsteht zwangsläufig bei den Betroffenen der Wunsch, getötet zu werden. In "einem solchen Fall" soll dann ein externer Arzt lediglich noch "prüfen", ob der Sterbewunsch "nicht auf Druck Dritter", falsche Diagnostik oder eine psychische Erkrankung zurückgeht und ob im konkreten Fall die Schmerzbekämpfung ausreicht. Werden diese Bedingungen bestätigt, steht der "Sterbehilfe" nichts mehr im Weg.

Warum schon wieder?

Das, was jetzt in der Schweiz geschieht, ist Faschismus. "Kostenbedingt" will sich der Staat seiner alten und kranken Bürger entledigen, und wieder einmal beugt sich eine organisierte Ärzteschaft dem "Zeitgeist" - ganz so, wie es im Dritten Reich schon einmal geschehen ist. Damals dienten deutsche Ärzteverbände schon frühzeitig ohne Not oder Zwang Hitler ihre Unterstützung an.

Was ist der Grund, warum sich Ärzteverbände immer wieder von eugenischem Gedankengut, von Programmen zur Aussortierung und Vernichtung lebensunwerten Lebens infizieren und begeistern, sich vor den Karren von Regierungen spannen lassen - oder zum Teil sogar diese vor ihren Karren spannen? Ist es das Machtgefühl, das jedem gefährlich werden kann, der kraft seines Wissens, seiner Stellung und Handlungen über Leben und Tod zu entscheiden vermag? Und, wichtiger noch die Frage: Kann ein Arzt ohne jedwede moralische Bindung, ohne das Verständnis, Diener am Menschen und am Leben zu sein, überhaupt verantwortlich handeln und praktizieren? - Wir verneinen dies ebenso wie Hufeland.

Welche Art kranker Menschen wurde im Dritten Reich vorrangig vergast? Die "Blöden", die "Schwachsinnigen", die "Krüppel", Epileptiker - allesamt in ihren Krankheitsäußerungen anders, für viele schwierig zu verstehen oder anzuschauen. Zu dem Grade, wie sich der Blick auf diese Äußerlichkeiten verengt und es dem Betrachter nicht (mehr) möglich ist, dem anderen auf der Ebene einer Solidarität zu begegnen, die im tiefen Verständnis der Besonderheit des menschlichen Geschlechts wurzelt, ist die Rede von "lebensunwertem Leben" nicht mehr weit. Die oftmals einzige, sehr oft unbewußte Begründung für so ein Denken ist dann das Gefühl, selber "so nicht leben zu wollen" oder zu können. Und nicht wenige glauben ernsthaft, den Opfern mit der Tötung sogar einen Gefallen zu tun.

Man muß nicht in die Schweiz fahren, um beim Umgang einiger Ärzte mit diesen Patienten auch hierzulande ein wachsendes Desinteresse, Widerwillen und auch Ekel zu diagnostizieren. Und in Zeiten knapper Kassen kann dies offener ausgelebt werden als jemals zuvor; schließlich gibt es nun einen "offiziellen Grund", keine Zeit zu haben, nicht die nötige Diagnostik und Therapie zu veranlassen.

Natürlich, nicht alle Ärzte sind potentielle "Euthanatiker". Die meisten von ihnen arbeiten hart, kümmern sich um ihre Patienten, sind skandalös unterbezahlt. Aber nicht wenige unter ihnen sind im Denken faul, bequem, lau und liberal (geworden) und spielen damit den Euthanasie-Ideologen in die Hände.

Wie viele fundamentale Kompromisse in Sachen Lebensrecht sind allein in den letzten Jahren von der Ärzteschaft immer wieder gemacht worden? Wie viele Zugeständnisse an den "Zeitgeist"? Wer von ihnen könnte heute noch klar und ableitbar erklären, warum menschliches Leben unter allen Umständen unantastbar ist und ein ganz besonderes Gut in der Schöpfung darstellt?

Die Realität ist Anklage und Beweis genug. Warum hat es denn nicht längst einen Aufschrei der Empörung in Deutschland gegeben, daß alte Menschen in einigen Pflegeheimen und Altersheimen fast verrecken und buchstäblich schlimmer als jedes Vieh gehalten werden? Daß auch die ambulante Pflege skandalös unterfinanziert ist? Und warum werden von ärztlicher Verbandsseite allenfalls halbherzige und impotente Versuche unternommen, die menschenverachtenden Auswirkungen der Kostensparprogramme im Gesundheitsweisen nicht nur aufzuzeigen und anzuprangern, sondern wirksam zu bekämpfen? Weil auch viele deutsche Ärzte längst nicht mehr Anwälte der Patienten, sondern Anwälte der Krankenkassen sind. Und alles, was kein fest gewurzeltes Fundament besitzt, wird unter dem Druck vermeintlicher "Umstände" irgendwann umfallen oder sich "arrangieren".

Diese Entwicklung läßt keinen versöhnlichen Schluß zu. Wer sich jetzt nicht besinnt, gegensteuert, kämpft, stellt sich auf die andere Seite der Menschlichkeit.

Die gesamte Welt ist aufgerufen, gegen die "Medizinisch-ethischen Richtlinien und Empfehlungen" der Schweizer Akademie für medizinische Wissenschaften Sturm zu laufen. Noch ist das vorgelegte Papier ein Diskussionsentwurf, und es bleibt bis Jahresende Zeit, dem unheilvollen Spuk, dem unzählige Male ein "Nie wieder!" geschworen wurde, ein Ende zu bereiten.

Richten Sie Ihren Protest an:

Schweizer Akademie für medizinische Wissenschaften SAMW
Petersplatz 13
CH-4051 Basel
Tel:+41(0)61 269 90 30
Fax: +41 (0)61 269 90 39

und/oder

Vereinigung der Ärztinnen und Ärzte der Schweiz (FMH)
Elfenstrasse 18
3000 Bern 16
Tel: +41 (0)31 359 11 11
Fax +41 (0)31 359 11 12

Dr. med. Wolfgang Lillge, Vorsitzender des Club of Life e.V.